Presseinformation KlarText-Preis für Wissen­schafts­kommunikation 2020 verliehen – Sonderpreis für Virologen Prof. Dr. Christian Drosten

Heidelberg, 8. Oktober 2020 Die Klaus Tschira Stiftung zeichnet sechs junge Forschende, die einen besonders gelungenen allgemein verständlichen Artikel über ihre Doktor­arbeit geschrieben haben, mit dem KlarText-Preis für Wissen­schafts­kommunikation aus. Für sein außer­ordentliches Engagement im gesellschaftlichen Dialog über Wissenschaft würdigt die Klaus Tschira Stiftung zudem Prof. Dr. Christian Drosten mit dem erstmalig vergebenen KlarText-Sonderpreis für Wissen­schafts­kommunikation.

KlarText-Preis für Wissenschafts­kommunikation

Das Rätsel um das Alter von Quasaren, das Aufwecken schlafender Stamm­zellen in der Netz­haut, die Inter­aktion autonom handelnder Maschinen, neue Strategien gegen multi­resistente Keime, Methan-Emissionen von Seen sowie Mathematik im Dienste der Gerechtigkeit – mit diesen Themen haben sich die dies­jährigen Gewinnerinnen und Gewinner des KlarText-Preises für Wissen­schafts­kommunikation beschäftigt. Die sechs Nach­wuchs­wissen­schaftler haben sich in ihren Doktor­arbeiten ganz unter­schiedlichen Frage­stellungen gewidmet und im Anschluss einen deutsch­sprachigen Artikel darüber geschrieben – einen gut verständlichen Text, der auch Nicht-Wissenschaftler für aktuelle Forschung begeistern kann.

Die Preisträger des KlarText-Preises für Wissenschafts­kommunikation 2020 sind: Dr. Erika Tsingos in Biologie (Universität Heidelberg/ Centre for Organismal Studies), Dr. Michaela Prothiwa in Chemie (Universität Konstanz), Dr. Jan Hartmann in Geowissenschaften (Universität Heidelberg), Dr. Benjamin Leiding in Informatik (Georg-August-Universität Göttingen), Dr. Sebastian Goderbauer in Mathematik (RWTH Aachen University) und Dr. Anna-Christina Eilers in Physik (Universität Heidelberg/Max Planck Institut für Astronomie). Die Klaus Tschira Stiftung vergibt die Auszeichnung bereits zum 18. Mal. 2020 haben 191 frisch Promovierte Texte in den Kategorien Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, Neuro­wissenschaften oder Physik eingereicht. Eine Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten hat daraus in drei Schritten die besten Beiträge ausgewählt. Allein in den Neuro­wissenschaften befanden die Jurorinnen und Juroren in diesem Jahr keine der Einreichungen als preiswürdig.

Die Siegerbeiträge erscheinen am 8. Oktober 2020, dem Tag der Preisverleihung, in einem Wissens­magazin, das der Wochen­zeitung DIE ZEIT beiliegt. Alle 191 Teilnehmer lädt die Klaus Tschira Stiftung außerdem in kleinen, inter­disziplinär zusammen­gesetzten Gruppen zu zwei­tägigen Workshops über Wissen­schafts­kommunikation nach Heidelberg ein. Diese werden vom Nationalen Institut für Wissenschafts­kommunikation durch­geführt.

KlarText-Sonderpreis für Wissenschafts­kommunikation

Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren ist die Klaus Tschira Stiftung eine Pionierin der Wissen­schafts­kommunikation. In diesem Jahr verleiht sie erstmals einen KlarText-Sonder­preis. Für sein herausragendes Engagement in Wissen­schafts­kommunikation inner­halb der Corona-Krise wird er dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité – Universitäts­medizin Berlin zuerkannt. Anschaulich erläutert er in verschiedenen Medien die Methoden seines Faches, zeigt Grenzen von Studien auf, ordnet ein, was gesicherte und ungesicherte Erkenntnis ist und weist auf die große Bedeutung inter­disziplinärer Diskussionen hin. Dabei adressiert er neben Journalistinnen und Journalisten sowie politischen Entscheidungs­trägern auch direkt die Bürgerinnen und Bürger und nutzt soziale Medien wie Twitter oder das Format des Podcasts dafür.

Wer ihm hier folgt erfährt viel über das Zusammenspiel von Labor­forschung und klinischer Praxis sowie von Wissenschaft, Medien und Politik. Auf diese Weise wird Wissenschaft transparenter, glaub­würdiger und in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft nach­voll­zieh­barer. In ihrer großen Anschaulichkeit sowie mit ihrem sorgfältig abwägenden Tenor können seine Beiträge Inspiration gerade auch für Nach­wuchs­wissen­schaftlerinnen und Nach­wuchs­wissenschaftler sein.

Die Vergabe der Preise findet im Rahmen einer festlichen Feier am 8. Oktober 2020 in Heidelberg statt. Alle sieben Preis­trägerinnen und Preisträger können sich seit diesem Jahr über ein Preisgeld von je 7500 Euro freuen, das anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Stiftung dauerhaft erhöht wurde.

Fotos der Preisträger stehen am 8.10., ab 19.30 Uhr, unter https://www.klartext-preis.de/meldungen/ zum Download, die Siegerbeiträge finden Sie ab 9 Uhr unter www.klartext-preis.de

Presseanfragen richten Sie bitte an:
Renate Ries
Klaus Tschira Stiftung
Leiterin Kommunikation/Wissenschaftskommunikation
Tel.: +49-6221-533 102
E-Mail: renate.ries@klaus-tschira-stiftung.de

Dr. Michelle Wabnitz
Klaus Tschira Stiftung
Stellv. Projektleiterin KlarText-Preis
Tel.: +49-6221-533 161
E-Mail: michelle.wabnitz@klaus-tschira-stiftung.de

Die Gewinner des KlarText-Preises 20 – Porträts und Kurz­zusammen­fassungen:

Gewinnerinnen und Gewinner des KlarText-Preises 2020
©KTS/Nikola Haubner
Gewinnerinnen und Gewinner des KlarText-Preises 2020
©KTS/Nikola Haubner

Physik: Anna-Christina Eilers, Siegerbeitrag „Rasantes Wachstum“

Anna-Christina Eilers wurde 1989 in San Francisco geboren. Sie studierte Physik in Göttingen und Heidelberg und wurde an der Universität Heidelberg mit der Arbeit „Unravelling 13 Billion Years of Cosmic History with Spectroscopic Studies: from the Milky Way to the Epoch of Reionization“, die sie am Max-Planck-Institut für Astronomie durchführte, promoviert. Mittlerweile forscht sie am Massachusetts Institute of Technology in Boston.

In ihrem Beitrag „Das Rätsel der jungen Quasare“ erklärt sie, dass einige der Quasare, die sie untersucht hat, erst wenige 10,000 Jahre alt zu sein scheinen. Diese Entdeckung stellt alle bisherigen Modelle, die die Entstehung massereicher schwarzer Löcher erklären, in Frage. Der Wachstumsprozess muss demnach sehr viel schneller ablaufen als bisher für möglich gehalten wurde. In ihrer Forschung versucht sie herauszufinden, wie die Wachstumsmodelle verändert werden können, um die Existenz der jungen Quasare zu erklären.

Mathematik: Sebastian Goderbauer, Siegerbeitrag „Die beste Wahl“

Sebastian Goderbauer wurde 1989 im Westmünsterland geboren. Nach seinem Studium der Mathematik an der RWTH Aachen promovierte er am dortigen Lehrstuhl für Operations Research. Seine Doktorarbeit trägt den Titel „Mathematical Optimization for Optimal Decision-Making in Practice: Energy Systems and Political Districting“. Im Anschluss gründete er eine Firma, die Softwarelösungen für komplexe Planungsaufgaben entwickelt.

In seinem Beitrag „Die beste Wahl“ beschreibt Sebastian Goderbauer, wie Mathematik Unterstützung in einer seit Jahren geführten politischen Debatte bieten kann. Eine geplante Reform des Wahlrechts zur Bundestagswahl könnte eine komplette Neueinteilung der Wahlkreise in Deutschland nach sich ziehen. Um dies so nah wie möglich an den rechtlichen Vorgaben zu machen, können Verfahren der mathematischen Optimierung eingesetzt werden. Denn: Optimierung heißt nicht nur höher, weiter, schneller. Sie kann auch für mehr Gerechtigkeit sorgen.

Sebastian Goderbauer
©KTS/Nikola Haubner

Geowissenschaften: Jan Hartmann, Siegerbeitrag „Trügerische Stille“

Jan Hartmann ist Jahrgang 1987. Er absolvierte seinen Bachelor und Master in Geowissenschaften an der Universität Heidelberg und promovierte dort auch mit dem Thema “Methane dynamics in Lakes” im Herbst 2018. Derzeit arbeitet er als Wissenschaftler am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen und entwickelt dort u.a. ein Messsystem zur Gasanalyse in der Tiefsee.

In seinem Beitrag „Trügerische Stille“ beschreibt Jan Hartmann, dass die Produktion von Methan offenbar in direktem Zusammenhang mit dem Vorkommen von Mikroorganismen in sauerstoffreichen Zonen von Seen steht. Bisher war man davon ausgegangen, dass es nur in sauerstofffreien Umgebungen gebildet wird. Doch neuste Untersuchungen zeigen, dass Methan ausgerechnet in den oberen, sauerstoffreichen Wasserschichten erzeugt wird – mit möglicherweise weitreichenden Folgen auf die Konzentration des Treibhausgases in unserer Atmosphäre.

Jan Hartmann
©KTS/Nikola Haubner

Informatik: Benjamin Leiding, Siegerbeitrag „Wenn Maschinen wirtschaften“

Benjamin Leiding ist Jahrgang 1990. Der gebürtige Rostocker studierte Informatik an der Universität Rostock sowie der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte dort mit der Arbeit „The M2X Economy – Concepts for Business Interactions, Transactions and Collaborations Among Autonomous Smart Devices“. In Göttingen ist er weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

In seinem Beitrag „Wenn Maschinen wirtschaften“ beschreibt Benjamin Leiding, wie zukünftige intelligente, hochgradig-vernetzte und autonom handelnde Maschinen mit anderen Maschinen oder Menschen interagieren oder kollaborieren werden. Beispielsweise könnten autonome, selbstfahrende Autos ihre Betriebskosten selbstständig decken, indem sie Transportdienstleistungen anbieten und für diese eine monetäre Kompensation erhalten. Mit dieser wiederum werden die nächste Batterieladung oder die nächsten Wartungsarbeiten bezahlt.

Benjamin Leiding
©KTS/Nikola Haubner

Chemie: Michaela Prothiwa, Siegerbeitrag „Zum Schweigen gebracht“

Michaela Prothiwa wurde 1986 in Gräfelfing bei München geboren. Sie studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Pharmaceutical Sciences und absolvierte ihre Masterarbeit an der Harvard-Universität. Ihre Doktorarbeit mit dem Thema „Inhibition of Quinolone Biosynthesis in Pseudomonas aeruginosa and Burkholderia species“ erstellte sie an der Universität Konstanz. Derzeit forscht sie an der KU Leuven in Belgien an chemischen Methoden, um Lymphome zu klassifizieren und gegen entzündliche Darmerkrankungen vorzugehen.

In ihrem Beitrag „Zum Schweigen gebracht“ beschreibt Michaela Prothiwa, wie sie alternative Strategien entwickelte, um gegen multiresistente Keime ins Feld zu ziehen. Denn multiresistente Keime kommunizieren untereinander, um ihre krankmachenden Eigenschaften zu koordinieren. Mit einer speziellen Untersuchungsmethode fand Prothiwa chemische Hemmstoffe, welche die Kommunikation der Keime blockierten. Solche Hemmstoffe bergen großes Potential als Alternative zu traditionellen Antibiotika.

Michaela Prothiwa
©KTS/Nikola Haubner

Biologie: Erika Tsingos, Siegerbeitrag „Der Vorteil des Fischauges“

Erika Tsingos wurde 1990 in Rio de Janeiro in Brasilien geboren. Sie wuchs in Italien auf und zog für ihr Studium nach Deutschland, wo sie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Biologie studierte. Am Centre for Organismal Studies Heidelberg erstellte sie ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Characterisation and computational modelling of retinal stem cells in medaka (Oryzias latipes)“.

In ihrem Beitrag “Der Vorteil des Fischauges“ schilderte sie ihre Forschungsarbeit an Stammzellen in der Netzhaut des japanischen Reisfisches „Medaka“. Mit einer Kombination aus experimentellen Beobachtungen und Computersimulationen fand sie heraus, dass Netzhaut-Stammzellen durch Einschlafen oder Wiedererwachen ihre Aktivität genau in Takt bringen. So wird das Sehvermögen gesichert während das Auge mit dem Körper im Verhältnis wächst. Die Lehren aus der Natur des kleinen Fisches könnten eines Tages dazu beitragen, dass auch körpereigene Stammzellen in den Augen von Menschen das Licht erblicken.

Erika Tsingos
©KTS/Nikola Haubner
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